Sekundarschule vor dem Aus? Schulkompromiss gescheitert?

.. so war es im Kölner Stadtanzeiger der letzten Wochen zu lesen. Auslöser für diese offensichtliche Polemik war die Vorinformation über die Ergebnisse der Elternbefragung in Köln. Diese ergibt – in groben Zügen – , dass die Eltern sich mit weitem Abstand für die beiden Schulformen Gymnasium und Gesamtschule entscheiden. Mit großem Abstand folgt die Realschule und abgeschlagen sind Hauptschule und eben die Sekundarschule. Also doch das Aus für die Sekundarschule und damit das Scheitern des ausgehandelten Schulkompromisses?

So eindimensional ist die Realität nicht. Denn wir machen in Düsseldorf Politik für gesamt NRW und die Situation für Eltern und Schüler in ländlichen Kreisen ist eine deutlich andere als die in Köln. Dort ist die Gründung einer Sekundarschule oft die einzige Möglichkeit, überhaupt wohnortnahe Schulen vorzuhalten, da die Schüler fehlen. Und dort kann die Sekundarschule langfristig ein attraktives, gerechtes, leistungsfähiges, umfassendes und wohnortnahes Schulangebot sicherstellen.

Aber Köln hat weiterhin Zuwächse bei Kindern und braucht offensichtlich andere Lösungen. Nicht zuletzt, weil wir den Elternwillen sehr ernst nehmen und das heißt, wir brauchen mehr Plätze in Gymnasien und Gesamtschulen. Bei den Gymnasien ist das bereits Teil der Schulentwicklungsplanung z.B. durch die Erweiterung der Zügigkeit, also durch mehr Kapazitäten in bestehenden Schulen.

Bleibt das Thema Gesamtschulen. Hier hat die KölnSPD eine klare Position, die deutlich wird mit dem Bau einer neuen Gesamtschule in Nippes und der Unterstützung der inklusiven Universitätsschule als zusätzlicher städtischer Gesamtschule in Ehrenfeld.

Aber wir werden auch noch mehr Plätze für längeres gemeinsames Lernen brauchen. Und das in Regionen, wo uns Plätze in der Sekundarstufe 1 fehlen, wo es aber nicht genügend Jugendliche für die Sekundarstufe 2, also die Oberstufe, gibt. Hier bietet das neue Gesetz eine interessante Möglichkeit, nämlich Verbundlösungen von kleineren Teilstandorten in der Sekundarstufe 1 und einem gemeinsamen Oberstufenzentrum. Das ist auch für viele Eltern attraktiv, weil wohnortnah. Und kleinere Schulen eignen sich gerade für die jüngeren Schüler gut und wir haben dafür auch passende Schulgebäude. Der Rahmen für solche Schulverbünde ist im Gesetz gegeben – und wir werden jetzt darangehen müssen, diese Vorgaben für Köln passend umzusetzen. Und das heißt zunächst, dass auf der kommunalen Ebene der Schulentwicklungsplan an den Elternwillen angepasst werden muss. Der nächste Schritt ist ein Stufenplan zur Veränderung von Schulen in Richtung Gesamtschule. Dann wird es um die Kommunikation mit den Beteiligten gehen und nicht zuletzt muss in enger Abstimmung der verschiedenen Ebenen, also Kommune, Bezirksregierung und Landesministerium, die Umsetzung erfolgen.

Wir als SPD-Landtagsabgeordnete begleiten und forcieren diesen Prozess: Auf der einen Seite unterstützen wir alle, die sich für unsere pädagogischen Ziele auf den Weg machen. Wir stehen in ständigem Kontakt zu den Schulen, zu Lehrern, zu Eltern- und Schülervertretungen. Und zum anderen machen wir, wenn nötig, auch den entsprechenden Druck in Düsseldorf, damit die besten Lösungen umgesetzt werden können. Und das kann durchaus notwendig werden, denn die grüne Ministerin steht einer „Sonderrolle“ von Köln eher ablehnend gegenüber.

Dazu haben zwei der Kölner Abgeordneten, Jochen Ott und ich selbst, gerade in der letzten Woche ein intensives Gespräch mit allen Zuständigen, also dem Ministerium, aber auch der Bezirksregierung und unserer Bildungsdezernentin Agnes Klein geführt – unter Beteiligung der bildungspolitischen Sprecherin der GRÜNEN. Und haben fest vereinbart, dass wir auch weiterhin in enger Abstimmung bleiben, um für Köln und unsere Kinder sachgerechte Lösungen zu sichern.