Gerechte Schulpolitik für morgen – echte Chancengleichheit verwirklichen

von Gabriele Hammelrath MdL
und Jochen Ott MdL

Als Kölner SPD-Landtagsabgeordnete haben wir uns in der Frage des längeren gemeinsamen Lernens klar positioniert. Für Köln ist die Sekundarschule keine Lösung, mehr Plätze an Gesamtschulen müssen her!

Dabei hat sich in den vergangenen drei Jahren deutlich mehr bewegt als in den zwei Jahrzehnten davor: So wird zum Beispiel die Gesamtschule in Nippes endlich gebaut, die Inklusive Universitätsschule wollen wir in Ehrenfeld, die Zügigkeiten werden vielerorts erweitert, Neugründungen in Mülheim und der Innenstadt laufen gerade an. Wir stärken „unser“ System Gesamtschule!

Anne Ratzki schrieb in der vergangenen Ausgabe, die Kölner Stadtverwaltung hätte in der Frage einer vertikalen Teilung für Dellbrück „eingelenkt“. Dem ist nicht so! Durch gemeinsame Anstrengungen von SPD-Abgeordneten und Stadtverwaltung konnte eine Einigung mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung im Sinne des Stadtteils erreicht werden.

Der KölnSPD ist es wichtig, eine behutsame Schulentwicklung im Sinne unserer Kinder vorzunehmen. Dabei helfen Betrachtungen auf der Mikroebene nicht weiter, wir müssen Lösungen im Bewusstsein der ganzen Stadt erarbeiten. In jedem Stadtteil eine Gesamtschule zu eröffnen ist nicht zielführend. Wir müssen im gemeinsamen Dialog die erfolgreichePraxis be hutsam weiter entwickeln, um erfolgreich zu sein.

Als progressive Pädagogen müssen wir darauf achten, die Gemeinsamkeiten nicht aus den Augen zu verlieren. Wir alle wollen längeres gemeinsames Lernen in Köln vorantreiben. Jetzt sind die Möglichkeiten auf allen Ebenen gegeben. Ideologische Streitigkeiten in unserem Lager schwächen uns und nutzen lediglich den GegnerInnen unserer Bewegung. Im Rechtsrheinischen ist in der Schulentwicklung viel im Umbruch und das ist gut so!

Als Mitglieder des Landtags betreiben wir einen intensiven Dialog mit der Schullandschaft in der Stadt und agieren in enger Absprache mit der städtischen Dezernentin und der Bezirksregierung. Die in unseren Debatten um die schulische Inklusion – mit den seit langer Zeit erfahrenen Schulen unserer Stadt – gewonnenen Erkenntnisse sind in die Beschlusslage des Landtags eingeflossen. Damit haben wir gezeigt, wir nehmen die Belange und die Argumente der Kolleginnen und Kollegen in den Schulen ernst und arbeiten daran, diese in gesetzlichen Regelungen zu berücksichtigen. Die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften über den richtigen Weg in der einen oder anderen Frage darf aber nicht dazu führen, dass wir gegeneinander arbeiten.

Die rot-grüne Landesregierung hat viele Möglichkeiten in unserem Sinne eröffnet; wir sollten die Möglichkeiten weiter Realität werden lassen – gemeinsam!

Ein Plädoyer gegen einen weitere Gesamtschule in Kalk und für eine Weiterentwicklung der Hauptschule in der Nürnberger Str. zu einem Zweitstandort der Katharina-Henoth Gesamtschule

In der vergangenen Ausgabe des forums zeichnete Anne Ratzki außerdem ein schiefes Bild der Schullandschaft und brachte mit dem Vorschlag einer Gesamtschule für Kalk Nord als Stadtteilschule einen schulpolitischen Ansatz hervor, den wir überwunden glaubten. Entgegen ihrer Darstellung, würde eine Gesamtschule in Kalk-Nord den Zusammenhalt des Stadtteils nicht fördern – im Gegenteil.

Wichtig wäre nicht eine neue Gesamtschule in Kalk-Nord, sondern eine Grundschule, die eine integrative Kraft im Veedel, im Stadtbezirk oder am besten im gesamten Quartier einnimmt. Das kann gelingen, indem eine solche neue Grundschule von Anfang an eng verzahnt wird mit vorhandenen Initiativen, z.b. dem Pavillon e.V. – die Montagsstiftung hat für dieses Quartier gute Vorarbeit geleistet. Wer im Stadtteil wohnt, kann an der neuen Mülheimer Gesamtschule am Rendsburger-Platz, dem Herder-Gymnasium Buchheim, dem Hölderlin Gymnasium Mülheim und im Stadtbezirk Kalk am Kaiserin Theophanu Gymnasium Kalk und an der Katharina-Henoth-Gesamtschule in Höhenberg sein
Abitur erwerben. Beide letztgenannten Schulen benötigen dringend eine Erweiterung, um den Bedarf im Stadtbezirk zu decken. Für das Gymnasium ist
dies bereits beschlossen und eine zeitnahe (zumindest temporäre) Lösung ist in Aussicht, nachdem das Problem mit dem AZ gelöst ist – und das ist auch gut so! Die Gesamtschule in Höhenberg verzeichnet einen besonders hohen Zulauf und muss aufgrund des enormen Bedarfs dringend ausgebaut
werden. Gleichzeitig gibt es in der direkten Nachbarschaft eine gut funktionierende Hauptschule, welche bereits seit längerem mit der Gesamtschule kooperiert – die Hauptschule in der Nürnberger Straße. Hier gibt es durchaus die Chance einer Weiterentwicklung.

Eine Gesamtschule sollte nicht nur eine getarnte Hauptschule sein, es bringt nichts, wenn sich eine Gesamtschule aus einer zu homogenen Gruppe zusammensetzt. Dann ist es nämlich keine. Es bedarf also eines qualifizierten Angebots – nicht einem primär quantitativen Angebots. Die Wahl der Gesamtschule als Schulform ist übrigens auch eine gute Alternative für Eltern und Kinder, die sich bewusst für eine 13jährige Schulausbildung mit Abitur entscheiden. Eine Entscheidung Gerechte Schulpolitik für morgen – echte Chancengleichheit verwirklichen oder Die Fehler der Vergangenheit werden nicht beseitigt, indem man sie einfach wiederholt für oder gegen den Besuch einer Gesamtschule sollte also nicht nur aufgrund besonderer räumlicher Nähe getroffen werden.

Wir würden daher einen anderen Ansatz begrüßen. In der Nürnberger Straße haben wir eine hervorragende Hauptschule mit besonderen Kompetenzen und Angeboten im Bereich der Berufswahlorientierung und persönlicher Unterstützung, mit der Bewältigung von Seiteneinsteigern (beispielsweise mit Flüchtlingen oder Zugewanderten). Diese Schule genießt bei Eltern, Schülern und Verwaltung hohen Respekt. Warum gestaltet man die Schullandschaft daher nicht vorausschauend so, dass wir die vorhandenen Personal und Gebäuderessourcen der Hauptschule Nürnberger Straße nutzen und die Schule zu einer Gesamtschule im Verbund mit der Gesamtschule Höhenberg weiterentwickeln. Die Kollegien arbeiten bereits seit geraumer Zeit zusammen und haben sich auf einen gemeinsamen Weg gemacht, der gut nicht nur für den gesamten Stadtteil sein wird.

Dieser Prozess benötigt sicherlich noch etwas Zeit, aber wir haben hier zwei hervorragende Schulen, die ihre Qualität durch einen gemeinsamen Weg noch steigern könnten. Das kann auch durch die gezielte Einbindung in die Unterstützungssysteme des Veedels gelingen – so sind z.B. HöViLand und Pfarrer Franz Meurer große Unterstützer dieses Ansatzes, der auch von der Stadt und der Regierungspräsidentin begrüßt und wohlwollend begleitet wird. Ein gänzlich neuer Schulstandort in Kalk-Nord wäre eine Rückkehr zu den Fehlern, unter denen die Stadt Duisburg bis heute leidet. Im Übrigen ist aufgrund solcher Fehler die gesamte Gesamtschulidee diskreditiert worden. Deshalb sollten wir uns zunächst darauf konzentrieren, dass neben dem HöVi-Standort der neue Gesamtschulstandort in Mülheim die Unterstützung der Stadtgesellschaft erhält, die zum Gelingen benötigt wird – ein neuer Standort ist auch hier kein Selbstläufer.

Das gemeinsame Lernen ist uns eine Herzensangelegenheit, die wir ernsthaft und nachhaltig angehen wollen. Mit einer Gesamtschule in Kalk Nord würden wir ihr nicht nachkommen, da wir eine als Gesamtschule verpackte Hauptschule erhalten würden. Wir Kölner SPD-Abgeordneten stehen zum längeren gemeinsamen Lernen, zur Weiterentwicklung der Schullandschaft in unserer Stadt. Die Rahmenbedingungen des NRW-Schulfriedens sind gesetzt und wir sorgen dafür, dass alle Kinder in Köln eine Chance auf adäquate Bildung haben. Dafür gehen wir auch notfalls in die kritische Auseinandersetzung mit der Landesregierung.

Aber gerade am Bsp. Kalk-Nord zeigt sich, wer den Kindern in einem der ärmsten Veedel Köln wirkliche Chancen eröffnen will, der sollte nicht mit den Rezepten der 1970er Jahre, die schon einmal gescheitert sind, die Zukunft gestalten – das Wohl der Kinder muss Maßstab sein, nicht eine schöne Ideologie.

Die komplette Ausgabe 5/2013 "forum"