Plenarrede vom 20.04.2016

Nordrhein-Westfalen stellt mit dem vorliegenden Gesetzentwurf seine Lehrerausbildung weiter systematisch auf die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an den Lehrerberuf ein.
Da wir bereits plenar und im Ausschuss ausführlich über die Gesetzesvorlage diskutiert haben, werde ich hier nur auf die wichtigsten Elemente und auf die in der Diskussion immer wieder auftretenden Aspekte eingehen.

Kernpunkt der nun verabschiedeten Reform ist, dass der Umgang mit Inklusion bzw. mit heterogenen Lerngruppen zu einem festen und verpflichtenden Bestandteil der Lehrerausbildung wird. Wir befähigen alle Lehrkräfte durch Inklusionskompetenzen und sonderpädagogische Basiskompetenzen zu einem professionellen Umgang mit einer immer heterogener werdenden Schülerschaft. Und dabei ist dieser heraufbeschworene Konflikt zwischen „Fachlichkeit“ und „Inklusion“ überhaupt nicht vorhanden, es gibt nur eine gemeinsame Aufgabe aller an der Ausbildung Beteiligten im Rahmen ihrer jeweiligen Aufträge und Möglichkeiten. Den Rahmen dafür haben übrigens zuletzt Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz gemeinsam beschrieben.

Entscheidend für uns ist, dass wir an der soliden fachlichen und pädagogischen Ausbildung für die Lehrkräfte aller Schulstufen und –formen festhalten. Denn der Umfang des Studiums in den Fächern wird gegenüber den heutigen Anforderungen und früheren Anforderungen in Staatsexamensstudiengängen nicht reduziert. Wer das immer noch anzweifelt, und das wird in den Diskussionen ja häufig gemacht, empfehle ich einen Blick in die Verteilung der Credit Points.

Nordrhein-Westfalen nimmt mit dieser Vorgehensweise bundesweit eine Vorreiterrolle ein – wie wir das ja übrigens durch Anforderungen an alle Lehramtsstudierende im Bereich Deutsch als Zweitsprache zur Integration von Schülerinnen und Schülern mit anderen Muttersprachen gemacht haben.
Weitere wichtige Punkte in der Debatte waren dann die Praxisphasen und die Länge des Vorbereitungsdienstes.
Das fünfwöchige Eignungs- und Orientierungspraktikum, das vierwöchige Berufsfeldpraktikum und das Praxissemester geben bereits während des universitären Ausbildungsteils einen guten Einblick in die Berufspraxis. Und übrigens in dieser Zeit sind Hochschulen und Schulen auch bereits in gemeinsamer Verantwortung.
Der Vorbereitungsdienst, hat jetzt eine verlässliche Ausbildungsdauer von 18 Monaten. Die Evaluationen dazu zeigen, dass es aus fachlicher Perspektive gelungen ist, die Verkürzung des Vorbereitungsdienstes auf 18 Monate ohne Qualitätsverluste zu gestalten. Und daher lehnen wir auch die Änderung, die Rückkehr zu den 24 Monaten deutlich ab.

Dazu noch wichtige Informationen zu den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung: Hier haben wir die Zahl der im Haushalt ausgebrachten Stellen für den Einsatz von Lehrkräften mittlerweile um 320 Stellen erhöht.
Ich möchte aber jetzt auch noch auf unsere Elemente im Entschließungsantrag eingehen. Denn wir haben nach der Anhörung der Sachverständigen und aus der Einsicht, dass das Bessere ja immer der Feind des Guten ist, nochmal einige Anforderungen gestellt, an das Ministerium, einige Bitten geäußert, das Ministerium möge in drei Bereichen weiterarbeiten.

Die jetzt vorgesehenen inklusionsbezogenen Anforderungen an das Lehramtsstudium haben inhaltlich die notwendige Offenheit, damit Hochschulen jeweils eigene Modelle entwickeln können. Spannend wird sein, wie die tatsächliche Ausgestaltung aussieht und vor allem, wie wirksam sie ist. Der Landtag fordert daher die Landesregierung auf, die tatsächliche Umsetzung der inklusionsbezogenen neuen Anforderungen in den nächsten Jahren zu evaluieren.

Ein weiterer Aspekt sind die Bilingualen Studiengänge. Hier möchten wir an die Hochschulen appellieren, dass sie im Prozess der Internationalisierung bei der Weiterentwicklung ihrer Studienangebote landesweit und verstärkt prüfen, welche Bedarfe und Chancen für spezielle Lehramtsstudiengänge bestehen, die auf den bilingualen Unterricht an den Schulen ausgerichtet sind. Ein solcher Unterricht wird für Eltern und Kinder immer attraktiver – sei es, weil die Eltern unterschiedlichen Nationalitäten angehören, sei es, dass durch persönliche oder berufliche Mobilität eine internationale Ausbildung sinnvoll ist. Oder einfach, weil die Welt zusammen rückt und wir unsere Kinder dafür fit machen wollen.

Und ein weiteres Thema wurde sowohl in der Anhörung ausgesprochen als es auch von den Piraten in ihrem Antrag aufgenommen wird: die sogenannte Dritte Phase der Lehrerausbildung. Dafür gibt es bereits eine gute Grundlage im Lehrerausbildungsgesetz. Und wir haben mit unserem wiedereröffneten Fortbildungsinstitut, unserem Qualis, und selbstverständlich mit allen anderen Handelnden in der Praxis den notwendigen fachlichen Input. Daher fordern wir die Landesregierung dazu auf, einen differenzierteren Orientierungsrahmen für die Fortbildung zu entwickeln, um für eine dritte Phase der Lehrerbildung erstmals durch gezielte Fortbildungsstandards zu fordern.

Insgesamt also ein Gesetz, dass unsere zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer auf die Schulwirklichkeit und deren Anforderungen vorbereitet. Und das mit dem Ziel, unsere Kinder gut auszubilden und ihre persönliche und soziale Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen.