Abgeordnetenporträt Gabriele Hammelrath

In der achten Ausgabe von „Landtag Intern“ in 2020 wurde Gabriele Hammelrath porträtiert. Das Porträt kann hier oder nachfolgend gelesen werden.

 

 

Wie kamen sie in die Politik? Wo liegen ihre politischen Schwerpunkte? Landtag Intern stellt in jeder Ausgabe Abgeordnete vor. Diesmal im Porträt: Gabriele Hammelrath (SPD).
Aufgewachsen in einem katholisch geprägten Elternhaus im Leverkusener Stadtteil Rheindorf, Abitur auf einem katholisch geführten Mädchengymnasium – und dann als Studentin der Eintritt in die SPD! Der Lebensweg von Gabriele Hammelrath (67) war nicht immer stromlinienförmig. Dass sie irgendwann in der Politik landet, war aber dennoch abzusehen. Denn sie sagt: „Wenn man etwas erreichen will, braucht man eine einflussreiche Machtposition.“
Schon als Schülerin nahm Hammelrath eine Führungsrolle ein: Klassensprecherin, stellvertretende Schülersprecherin. Sie machte den Mund auf, wenn ihr etwas nicht passte. Das führte auf dem von Nonnen streng hierarchisch geführten Gymnasium auch zu Konflikten. „Wenn man die Form wahrte, war alles okay“, erzählt sie. „Aber meine zweite Seite ist: Ich bin manchmal schon rebellisch.“
In Rheindorf wuchs sie als Kind behütet auf. In der Gegend kannte jeder jeden. „Ich war Einzelkind, durfte alles machen, was ich wollte. Dadurch war ich als Schülerin empfindlich, was Hierarchien angeht“, so Hammelrath. „Aber ich war auch immer rheinisch harmoniebedürftig und so fand sich immer irgendwie ein Weg.“
Nach dem Abitur studierte sie Pädagogik, Psychologie und Soziologie an der Uni Köln. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Ehe in der Industriegesellschaft. „Über das Frauenthema kam ich dann auch in die Politik”, so Hammelrath. Mit Anfang 20 bekam sie das Parteibuch der SPD. Ihre politische Heimat war immer der linke Flügel der Sozialdemokratie. Jahrelang engagierte sie sich ehrenamtlich. Sie wurde aktiv in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, war sieben Jahre lang deren Vorsitzende. Als ihre Tochter geboren wurde, nahm sie sich eine dreijährige politische Auszeit. Danach war sie Ortsvereinsvorsitzende in Ehrenfeld und später auch Vize-Chefin des Unterbezirks.
Doch komplett abhängig sein von der Politik, das wollte sie nie. Beruflich stand sie somit schnell auf eigenen Beinen. Zunächst arbeitete sie ab 1980 fünf Jahre lang in einer Unternehmensberatung im Bereich Personal, Organisation und Marketing. Dann wechselte sie zur Kölner Volkshochschule, bevor sie 2005 Leiterin des Amtes für Weiterbildung der Stadt Köln wurde. Dieses Amt bekleidete sie sieben Jahre. Doch auch in dieser Zeit war die Politik immer Teil ihres Lebens, ob in Köln oder auch als Delegierte auf Landes- oder Bundesebene.
Doch irgendwann wurde sie in ihrer Komfortzone unruhig. „In mir reifte der Wunsch, noch einmal etwas völlig anderes zu machen“, sagt Hammelrath. Mit 59 Jahren wagte sie den beruflichen Neustart. Die 2012 kurzfristig angesetzte Neuwahl bot die Gelegenheit, für den Landtag zu kandidieren. Mit Erfolg auf Anhieb. Sie gewann das Direktmandat für den Wahlkreis Köln III. Für die Fraktion fungiert sie seit 2015 als stellvertretende wissenschaftspolitische Sprecherin und seit 2017 als Vize-Vorsitzende des Schulausschusses. Zudem bringt sie ihre berufliche Expertise ein, ist Beauftragte für Weiterbildung. Hammelrath: „Das Thema wird immer überfraktionell bearbeitet. Wir arbeiten beispielsweise zurzeit an einer Novellierung des Weiterbildungsgesetzes. Und ich bin sicher, das geschieht einvernehmlich mit allen demokratischen Fraktionen.“
Privat hat sich Hammelrath mit ihrer Familie in Ehrenfeld einen Arbeits-, Wohn- und Rückzugsraum erschaffen. Im Hinterhof ist der Garten der Familie, rings herum sind sowohl ihr Büro als auch das ihres Mannes. Zudem wohnt sie mit ihrem Mann und ihrer erwachsenen Tochter dort. „Es ist eine Oase in der Großstadt. Wir lieben es hier“, sagt sie. Auf dem Gelände ist auch immer Hund „Clooney“ (halb Bobtail, halb Chow-Chow) unterwegs. „Den Namen hat meine beste Freundin vorgeschlagen, weil dieser Hund so schön ist“, lacht sie. Sie kümmert sich zusätzlich um eine Ziehtochter und zieht sich hin und wieder mit einem Krimi zurück. Seit 46 Jahren lebt sie in Köln. Hammelrath engagiert sich in zwei Karnevalsvereinen, ist immer beim Veedelszoch dabei.
Auch wenn Hammelrath „eher für eine linkere Politik“ steht, kann sie besonders in Zeiten der Corona-Pandemie einer Großen Koalition etwas abgewinnen. „Die großen Themen löst man nicht alleine“, sagt sie. „In der Koalition gelingt es momentan am besten, den Laden zusammenzuhalten. Man muss in diesen Zeiten mehrheitsfähig sein und die Menschen mitnehmen.“ Der GroKo etwas Positives abgewinnen, das fällt nicht allen in ihrer Partei so leicht. Aber auch hier zeigt sich: Stromlinien sind nicht Gabriele Hammelraths Ding.
von Jörg Löbker

Zur Person
Gabriele Hammelrath (67) stammt aus Leverkusen. An der Universität Köln studierte sie Pädagogik, Psychologie und Soziologie und schloss das Studium als Diplom-Pädagogin ab. Seit 2012 ist sie Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags.

Nachgefragt
Was ist Ihr Lieblingsbuch und warum?
Schon in meiner Kindheit habe ich alles gelesen, was mir in die Finger kam. Und das ist bis heute so geblieben. Zur Entspannung lese ich Krimis – von Patricia Cornwell und Elisabeth Herrmann bis Don Winslow. Aber auch eher skurrile Krimis, wie die von Margery Allingham, Fruttero & Lucentini oder Ross Thomas.

Welche Musik hören Sie gerne?
Alles im Bereich Jazz und Swing. Und natürlich den unvergleichlichen Beat und Rock der 1960er und 70er. Und ich lasse mich – inspiriert von den jungen Leuten um mich herum – immer wieder von der Musik junger Bands überraschen.

Was haben Sie immer in Ihrem Kühlschrank vorrätig?
Es ist leichter aufzuzählen, was nicht in meinem Kühlschrank ist. Ich koche und esse leidenschaftlich gerne – am liebsten mit der Familie und/oder Freunden. Auf jeden Fall ist es regional und jahreszeitlich passend, weil nahezu alle Lebensmittel, auch das Fleisch, von den Bauern aus der Umgebung stammen. Also: kein Spargel im Winter, sondern Grünkohl oder Kürbis.

Ihr liebstes Reiseziel?
Italien, und zwar von Südtirol bis Sizilien, egal ob Berge oder Meer. Dieses Land hat alles: wunderbare Landschaften und die großartigsten Kulturstätten und die nicht nur in den großen und bekannten, sondern auch in den kleinen Städten. Die Menschen verstehen zu leben und sie verstehen viel von gutem Essen und Trinken. Leider verstehen sie nicht ganz so viel von Politik.